Weihnachten 2018

Alles Große kommt aus der Stille! Als der bekannte Polarforscher Knud Rasmußen bei den Inuit in Grönland unterwegs war, bat er Majuaq, eine alte Frau, ihm aus der Geschichte ihres Volkes zu erzählen. Die alte Majuaq schüttelte den Kopf und sagte: „Da muss ich erst nachdenken, denn wir Alten haben einen Brauch, der Quarrtsiluni heißt.“ „Was ist Quarrtsiluni?“ Majuaq erzählte mit großen Handbewegungen: „In alten Tagen feierten wird jeden Herbst große Feste zu Ehren der Seele des Wales und diese Feste  mussten stets mit neuen Liedern eröffnet werden, wenn Männer und Frauen tanzten, um den großen Fangtieren zu huldigen. Da hatten wir den Brauch, dass in jener Zeit, in der die Männer ihre Worte zu diesen Hymnen suchten, alle Lampen ausgelöscht werden mussten. Es sollte dunkel und still im Festhaus sein. Nichts durfte stören, nichts zerstreuen. In tiefem Schweigen saßen sie in der Dunkelheit und dachten nach, alle Männer, sowohl die alten wie die jungen. Diese Stille war es, die wir Quarrtsiluni nannten. Sie bedeutet, dass man auf etwas wartet, das aufbrechen soll. Denn unsere Großväter hatten den Glauben, dass die Gesänge in der Stille geboren werden. Dann entstehen sie im Gemüt der Menschen und steigen herauf wie Blasen aus der Tiefe des Meeres, die Luft suchen, um aufzubrechen. So entstehen die heiligen Gesänge.“
(nach Hubertus Halbfas, Der Sprung in den Brunnen)


- Es ist die Stille, die jeder Mensch dieser Erde so dringend braucht, als Vorbereitung auf die wichtigen Dinge des Lebens und auf die Reise nach innen. Stille ist die Therapie gegen den Lärm unserer Zeit. Es ist die Stille, die Joseph Mohr bewegt hat, in Mariapfarr vor dem Altarbild seinen weihnachtlichen Betrachtungstext zu schreiben, der später Weltbedeutung erhalten sollte. Er schrieb diesen Text mit Hunger im Bauch, weil im „Jahr ohne Sommer“ der Mangel regierte, mit Unruhe, weil die Wirren der napoleonischen Kriege noch nachwirkten und sich Weltuntergangsstimmung breitmachte, mit Beschämung, weil er und seine Mutter durch die uneheliche Geburt benachteiligt wurden.
In der Stille hat der junge Priester nach innen gehorcht und die weihnachtliche Botschaft betrachtet, die Hoffnung und Trost gab für ihn, für die Menschen seiner Zeit, für viele Menschen heute. So sind seine Worte zu einer besonderen Botschaft geworden:


1. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Alles schläft; einsam wacht
Nur das traute heilige Paar.
Holder Knab im lockigten Haar,
Schlafe in himmlischer Ruh!

2. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Gottes Sohn! O wie lacht
Lieb´ aus deinem göttlichen Mund,
Da uns schlägt die rettende Stund`.
Jesus in deiner Geburt!

3. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Die der Welt Heil gebracht,
Aus des Himmels goldenen Höhn
Uns der Gnaden Fülle lässt seh´n
Jesum in Menschengestalt.

4. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Wo sich heut alle Macht
Väterlicher Liebe ergoss
Und als Bruder huldvoll umschloss
Jesus die Völker der Welt.

5. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Lange schon uns bedacht,
Als der Herr vom Grimme befreit,
In der Väter urgrauer Zeit
Aller Welt Schonung verhieß.

6. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Hirten erst kundgemacht
Durch der Engel Alleluja,
Tönt es laut bei Ferne und Nah:
Jesus der Retter ist da!

Gott ist unser Bruder geworden und umarmt auch uns, seine Kinder. Ein gesegnetes Weihnachtsfest!

Abt Johannes Perkmann OSB