Stäbe

Im heurigen Sommer war eine kleine Gruppe aus unserer Schule und Pfarre unterwegs nach Ghana, um dort unser Schulpartnerschaftsprojekt zu besuchen.

Wir bekamen auch einen staunenswerten Einblick in die Kultur des Landes und die überlieferte Weisheit dieses Volkes. Auf den Thronsitzen der Dorfkönige fand sich oft geschnitztes Symbol, das seit frühen Tagen an eine Geschichte erinnert, die Wesentliches für das Zusammenleben der Menschen ausdrückt. Sie ist eine Anregung weit über den Kulturkreis Ghanas hinaus und vermag auch uns gerade am Beginn eines Arbeitsjahres etwas mitzugeben.

Ein Vater hatte sieben Söhne. Am Ende seines Lebens wollte er etwas Wichtiges für seine Familie mitteilen: 

Der ehrwürdige Greis ließ eines Tages alle sieben Söhne zusammenkommen, legte ihnen sieben Stäbe vor, die fest zusammengebunden waren, und sagte: "Demjenigen von euch, der dieses Bündel Stäbe entzweibricht, zahle ich hundert große Goldmünzen." Einer nach dem anderen strengte alle seine Kräfte an, und jeder sagte nach langem vergeblichem Bemühen: "Es ist gar nicht möglich." "Und doch", sagte der Vater, "ist nichts leichter." Er löste das Bündel auf und zerbrach einen Stab nach dem anderen mit geringer Mühe.

"Oh", riefen die Söhne, "so ist es freilich leicht, so könnte es ein kleiner Knabe!"

Der Vater aber sprach: "Wie es mit diesen Stäben ist, so ist es mit euch, meine Söhne.
Solange ihr fest zusammenhaltet, werdet ihr bestehen, und niemand wird euch überwältigen können. Wird aber das Band der Eintracht, das euch verbinden soll, aufgelöst, so geht es euch wie den Stäben, die hier zerbrochen auf dem Boden umherliegen."