"Platz haben"

Es ist nur ein Halbsatz in der Weihnachtsbotschaft des Lukas und nicht einmal eine zentrale Aussage. Und doch ist diese Bemerkung unglaublich ausgeschmückt und in vielen Hirtenspielen breit erzählt worden, ja hat Bräuche begründet und viele Lieder inspiriert. Die Herbergssuche ist wohl allen bekannt, seit Jahrhunderten im Bewusstsein, und hat schon viele berührt. Innerlich werden schon so manche den Kopf geschüttelt haben über Menschen, die die Tür vor Maria und Josef verschlossen hatten und manche haben sich gedacht und vielleicht sogar ausgesprochen: „Ich hätte das sicher nicht so gemacht!“. 

Doch Weihnachten ist kein Kinderspiel, keine romantische oder folgenlose Übung, es wird Realität. Wenn jetzt viele Flüchtende vor den Grenz-und Haustüren stehen, erahnen wir, wie schwer eine Öffnung oft sein kann und was da alles dazugehört. Das gilt es wahrzunehmen, gut zu unterscheiden und dann sind wir herausgefordert eine christliche Antwort zu suchen.

Wir können sicher nicht allen helfen, die globalen Ursachen beheben oder die großen politischen Probleme einfach so lösen. Aber es gilt vor Ort etwas beizutragen, weil es um konkrete Menschen geht. Ohne Türen zu öffnen können wir nicht glaubwürdig Weihnachten feiern. 

Mit diesem ersten Schritt der Hilfe ist freilich nicht alles getan. Der schwierige Weg der Integration kommt erst. Es geht darum, Werte zu vermitteln, in den Dialog zu treten. Dabei ist eines klar: auch wir müssen unsere Werte leben und üben, wenn wir sie glaubwürdig vermitteln wollen. Wenn etwa Weihnachten nur mehr ein Fest der Idylle, des Schnees (der selten kommt) und der Leuchtdioden ist, dann können wir auch nichts vermitteln, worum es da wirklich geht. Wo der Glaube verdunstet, bleibt oft nur die Angst vor anderen Überzeugungen.

In der weihnachtlichen Botschaft geht es darum, dass mitten in die Welt, die voller Schwierigkeiten steckt, ein Lichtblick gekommen ist. Die Erlösung kommt von Gott, von keinem sonst. Und dieser Gott ist so nahe, dass wir ihm in jedem Menschen begegnen können, dem wir absichtslos und uneigennützig helfen. Wo immer man das tut, hat man mit Gott zu tun. Die heile Welt von Menschenhand gibt es nicht, weil es menschliche Erlöser nicht gibt. Aber Weihnachten bedeutet den Anfang der Erlösung, des guten Ausgangs der Geschichte, weil Gott einen Anfang setzt in einem kleinen Kind. Es wurde trotz aller Schwierigkeiten dennoch aufgenommen, hat die Flucht nach Ägypten überstanden und mit seinem Gottvertrauen und Nächstenliebe die Welt verändert. Diesen Jesus Christus ankommen zu lassen, ihn zu erkennen in den Gesichtern der Menschen, das verändert die Welt und ermöglicht Lichtblicke am sorgenvollen Himmel. Weihnachten ist es wert gefeiert zu werden, es ist Trost für die Seele und Ermutigung das Seinige für eine erlöstere Welt zu tun.

Ganz leise

Meistens wird Gott
ganz leise
Mensch

die Engel
singen nicht
die Könige gehen vorbei
die Hirten bleiben
bei ihren Herden

meistens wird Gott
ganz leise
Mensch