Mutbürgerinnen

Viel wird heute kommentiert zur politischen Lage, zu ökologischen Gefahren und zu entwicklungspolitischen Risiken. Vieles wird geschrieben zur Tendenz sich zurückzuziehen in die ahnungslose heile Welt und sich abzuschotten. Oder zur Tendenz, sich in die Wut zu flüchten, die seltsame Blüten treibt und hereinzufallen droht auf die Parolen von vermeintlichen Führungspersönlichkeiten, die letztlich keine Führung geben und keine zukunftsfähige Lösungen haben.

Der Advent lädt ein, aufzuwachen, sich im Tragfähigen zu verankern, die Realität wahrzunehmen und entschlossen und konstruktiv zu handeln. J. B. Metz hat das einmal „Mystik mit offenen Augen“ genannt, also Innerlichkeit mit Solidarität zu verbinden.

Jesaja, Prophet der Hoffnung in schwierigen Zeiten, sagt es so (Jes 35,4-7a): „Habt Mut, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott!“- Ein Gott, der trotz aller Schwierigkeiten da ist und Mut gibt, Mut zu:

- Spiritualität: sich bewusst sich Zeiten zu nehmen für Stille, Rituale, Gebet 

- ethischem Handeln: selbst wenn morgen die Welt untergeht, heute noch ein Apfelbäumchen zu pflanzen, denn davon (über)lebt die Welt.

- Dialog auf Augenhöhe: auch mit dem Fremden, dem Schwierigen und Herausforderndem

- Gemeinschaft: um nicht nur im stillen Kämmerlein zu denken, was eigentlich wichtig wäre, sondern es gemeinsam auch zu gestalten und so zu handeln.

Wenn sich Wut in Mut verwandelt, dann erst beginnt eine neue Welt. Lassen wir den in unser Leben ein, der uns dabei hilft?

Adventlich leben -
um bereit zu sein für das,
was manchmal so überraschend in unser Leben tritt,
was uns anrührt und bewegt,
was uns angeht und persönlich meint.

Adventlich leben -
um hellwach zu sein für das,
was es neu zu erkennen gilt in dieser Zeit
der seltenen oder verloren gegangenen Visionen,
die aber Gottes Zeit mit uns und für uns ist.

Adventlich leben -
um ganz Ohr zu sein für jene,
die uns von ihrem Kummer und ihrer Mühsal,
ihrer Hoffnung und ihren Nöten, ihrer Sehnsucht
und ihrer Enttäuschung erzählen wollen.

Adventlich leben -
um ganz da zu sein für den,
der neu ankommen will in mir persönlich
als menschenfreundlicher Gott,
als vertrauenswürdiger und liebevoller Freund.

Adventlich leben -
um wartend zu wachen
und wachsam zu warten auf den,
der sich mir neu zuwenden will,
im Geheimnis seiner Menschwerdung

Paul Weismantel