Immer wieder staunen

Vielfältig sind die Momente des Staunens in unserem Leben. Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, als wir normalerweise wahrnehmen, es gibt mehr in uns selber, als wir im alltäglichen Denken und Tun inne werde. 

Kürzlich hörte ich über folgende Besonderheit im menschlichen Körper:

Die Muskeln werden bekannterweise über unser Gehirn gesteuert. Die Nervenbahnen nehmen den direkten Weg vom Gehirn zur Region, die dann eine bestimmte Bewegung ausführen soll. Nur bei den Nerven der Kehlkopfmuskulatur gibt es eine Besonderheit. Die Nerven, die die Bewegungen der Kehlkopfmuskulatur und damit den Klang der Stimme formen, laufen sonderbarerweise zunächst bis zum Herzen und dann erst zum Kehlkopf zurück. Könnte dieser Umweg der Natur nicht eine staunenswerte Botschaft sein, die aussagt: Ohne Herz keine Stimme, kein Klang? 

In jedem Ton, in jedem Klang der Stimme schwingt und wirkt das Herz auf wundersame Weise mit. Dazu passen auch die nicht erklärbaren kleinen Ausbuchtungen an den Innenwänden der beiden Vorhöfe des Herzens, denen man den sinnfälligen Namen ‘Herzohren’ gegeben hat. „Sollte vielleicht selbst das Herz auf etwas hinlauschen und hinhorchen, ohne das die Stimme leblos und seelenlos bliebe?“ fragt der Psychologe A. Mettnitzer.

Weihnachten kündet von der Geburt des einen, der „am Herzen des Vaters ruht“ und der Gott kund gemacht hat (Joh 1,18). Ihm mit „Herzohren“ zu lauschen, den Klang der Stimme mit Herz zu formen – das ist es, was es braucht, damit das große Fest nicht an der Oberfläche bleibt. Und Menschen, die diese Herzbotschaft Gottes hören und dann selber barmherzig werden, braucht die Welt von heute dringend.


Abt Johannes Perkmann