Fastenzeit 2019

Demut hat heutzutage zumindest als Wortmeldung Hochkonjunktur.
Politiker nach dem Wahlsieg, Sportler mit ersten Plätzen, Menschen, die ein hohes Amt antreten, reden gerne davon. Demut ist zwar in aller Munde, aber was ist damit gemeint?
Etwas Banales, Floskelhaftes, das man nur bescheiden und höflicherweise sagt ohne es wirklich zu beachten? Oder ein Begriff aus der Schreckenskammer der Geschichte, der prinzipielle Nachgiebigkeit, Zurschaustellen depressiver Haltung oder gar Ausgenutztwerden bedeutet? Oder heißt Demut andere klein zu machen, um selber groß dazustehen?

Mit dem hl. Benedikt können wir in eine tiefere Dimension dieser so bedeutsamen Haltung vorstoßen:
Demut (lat. humilitas) hat mit dem Erdboden (lat. humus) zu tun. Auf dem Boden bleiben, zu sich stehen, auch zu den Grenzen und Bedürfnissen, auch zur eigenen Fehlerneigung und zur notwendigen Lernbereitschaft ist eine Grundlage gelingenden Lebens.
Die Haltung, nicht zu übertreiben, nicht so groß dran zu sein, Bescheidenheit und Einfachheit zu üben, gesunden Realismus und Selbstkritik zu leben und sich nicht zu scheuen dienstbereit zu sein ist für ein Zusammenleben unerlässlich.
Demut als geistliche Tugend weiß, dass wir nicht alles selber machen, erreichen und managen können. Ein demütiger Mensch kann einen Größeren akzeptieren, ja ihm vertrauen.
Bemerkenswert ist beim hl. Benedikt die Erinnerung, dass es für die Demut Leib und Seele braucht, dass wir als ganze Menschen Gott suchen. Er spricht von einer Leiter, deren Holme der Leib und die Seele sind und auf der es aufzusteigen gilt, indem man herabsteigt.
Fasten kommt da genau richtig, um das näher zu erfassen. Den Körper und sich selber wieder spüren, Einfachheit zu leben, das gute Maß finden, Impulse von anderen annehmen, auf die Bedürfnisse der Nächsten zu achten und Dienste für andere zu übernehmen – all das hat mit Demut zu tun. Und die zeigt sich in praktischen Übungen.
Bei Benedikt hat Demut hat ein Ziel: Leben in Liebe ohne Furcht. Das paradoxe Bild von der Demutsleiter sagt: Wer hinabsteigt, steigt hinauf, wer demütig ist, erreicht das große Ziel.
Die Zeit der Vorbereitung auf Ostern ist eine Gelegenheit nicht nur von Demut zu reden, sondern echt demütig zu werden.