End-lich leben!

Leider wird das Leben immer kürzer. In letzter Zeit sogar unendlich weniger.

Warum? Die Lebenserwartung steigt doch ständig, wir leben heute viel länger als früher! Stimmt. Früher, so hat ein kluger Kopf einmal bemerkt, lebten die Menschen aber trotzdem viel länger, sie wurden 30, 40 oder 50 Jahre alt - plus eine Ewigkeit dazu.

Wenn wir die Ewigkeit streichen, leben wir nur mehr 80, 90 oder 100 Jahre. Und das mit viel Stress, denn man kann auch in hundert Jahren nie alles haben, nie alles werden, nie alles erleben. Das Ende, auch wenn verdrängt und überspielt, kommt doch einmal unerbittlich daher.

Viktor Frank hat einmal den Satz formuliert: Beginnen wir end-lich zu leben, damit wir endlich leben können. Beginnen wir das Ende zu akzeptieren, uns mit dem Ende zu versöhnen, damit wir endlich gescheit leben können, nämlich mit Sinn, dankbar, aufmerksam, intensiv, mit Genuss und Verantwortung, ohne Angst und Verdrängung.

Es gibt soviel Leben, das wir nicht sehen, weil wir dem Schein nachjagen, uns mit Unwesentlichem verzetteln und uns den Sachzwängen beugen.

Der Osterglaube lädt zur Versöhnung mit dem Ende ein und setzt eines drauf: dass es einen Ewigen gibt, der das unvermeidliche zeitliche Ende in einen zeitlosen Neubeginn verwandeln kann. So braucht das Ende nicht gefürchtet zu werden, weil es nicht Untergang ist, weil ein Unendlicher wartet und das Wesentliche bewahren kann.

Dietrich Bonhoeffer formuliert es so: 

„Der auferstandene Christus trägt die neue Menschheit in sich, 

das letzte herrliche Ja Gottes zum neuen Menschen. 

Zwar lebt die Menschheit noch im Alten, 

aber sie ist schon über das Alte hinaus, 

zwar lebt sie noch in einer Welt des Todes, 

aber sie ist schon über den Tod hinaus, 

zwar lebt sie noch in einer Welt der Sünde, 

aber sie ist schon über die Sünde hinaus. 

Die Nacht ist noch nicht vorüber, 

aber es tagt schon.“

Diese Lebenshoffnung wünsche ich Ihnen allen!