Die andere Seite der Globalisierung

Langsam, aber sicher sind wir in den Sommer unterwegs. In dieser Jahreszeit sind besonders viele von uns auf Reisen, Gäste kommen auch in unser schönes Land und erleben Natur und Kultur unserer Heimat. Das Unterwegssein gehört zum Menschen dazu, es öffnet neue Horizonte und lässt eine größere Zusammengehörigkeit erleben. Verglichen mit früheren Zeiten haben wir heute viel mehr Möglichkeiten zum Reisen, wir erreichen Destinationen, von denen vergangen Generationen nur träumen konnten. Gleichzeitig sind wir weltweit so verbunden, dass Waren quer über Kontinente verfügbar sind, Nachrichten in Sekundenschnelle den Erdkreis durchlaufen und wir über die Kontinente hinweg vernetzt sind.

Die Globalisierung hat ihre grandiosen Seiten, die wohl bei allen Zustimmung finden. Schwerer tun wir uns damit, wenn plötzlich eine zweite Seite auftaucht: das schöne Mittelmeer wird ein Flüchtlingsfriedhof, das Bergsteigerparadies Nepal ein Erdbebenkatastrophengebiet und Rumänien erinnert nicht bloß an das Schwarze Meer, sondern auch an die Bettler, die bei uns auf eine Unterstützung hoffen. Die Globalisierung der Verantwortung ist gar nicht so leicht zu schultern, aber wer A sagt, muss auch B sagen. Wer die angenehmen Seiten der weltweiten Vernetzung genießt, hat auch Verantwortung für die Menschen, die auf der Schattenseite leben. 

Carl Friedrich Weizsäcker, Physiker und Friedensforscher, schreibt einmal: „Man kann in dieser Welt, wie sie ist, nur dann weiterleben, wenn man zutiefst glaubt, dass sie nicht so bleibt, wie sie ist, sondern werden wird, wie sie sein soll.“