Advent 2019

Es war in einer U-Bahn Station einer Großstadt. Ein Straßenmusiker spielte mit seiner Violine Stücke von Bach. In einer halben Stunde eilten gut 1000 Menschen durch die Station. Es dauerte drei Minuten, bis der erste Passant kurz stehen blieb, um dann wieder davonzueilen. So ging es die ganze Zeit. Diejenigen, die dem Musiker am meisten Aufmerksamkeit schenkten, waren Kinder, die ihm fasziniert zuhörten. Aber auch sie mussten bald wieder weiter, ihre Eltern drängten zu sehr. Am Ende seiner Darbietung waren es 6 Leute, die etwas länger stehen geblieben waren, 20 Menschen spendeten ihm Geld. Als er das Spiel beendete, nahm keiner Notiz, es gab keinen Beifall.
Keiner erkannte, dass dieser Geiger Joshua Bell war - einer der besten Musiker der Welt. Er spielte einige der schwierigsten Musikstücke, die jemals komponiert wurden - auf einer Stradivari im Wert von 3 Millionen Euro. Und niemand merkte es. Im Resümee des Sozialexperiments der Washington Post steht:

"An einem allgemeinen Ort und Umgebung zu einer unpassenden Stunde: Nehmen wir Schönheit wahr? Halten wir ein, um es zu genießen? Erinnern wir uns an das Talent in einem unerwarteten Zusammenhang? Wenn wir nicht die Zeit besitzen, anzuhalten und einem der besten Musiker der Welt zuzuhören, der einige der großartigsten Stücke spielt, die je geschrieben wurden ... wie viele andere Dinge verpassen wir dann?!“

Der Advent lädt uns ein, achtsam zu sein, um das „großartige Stück“ der Menschwerdung Gottes nicht zu überhören und zu übersehen.
In diesem Sinne eine achtsame Zeit!

Abt Johannes Perkmann OSB